Ausbildungszweige

Ab Oktober 2019 fahren wir zweigleisig! Sie können in der Christophsbad-Akademie für Psychotherapie Ihre Ausbildung mit dem Schwerpunkt Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP) oder Verhaltenstherapie (VT) absolvieren.

Ausbildungszweige in der Übersicht

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (TP)

Durch die stationäre Therapie entsteht ein Schwerpunkt auf modernen psychodynamischen Verfahren, die psychoanalytisches Wissen nutzbar machen und störungsspezifisch erweitern. Dies ist für die erfolgreiche Therapie von sogenannten schweren Störungen (vor allem Persönlichkeitsstörungen), deren psychotherapeutische Behandlung noch vor einigen Jahren mit viel Skepsis betrachtet wurde, von enormer Bedeutung.

Zu nennen wären hier verschiedene einzel- und gruppentherapeutische Verfahren:

  • „Göttinger Modell“ der Gruppentherapie (Heigl, Heigl-Evers, König) sowie die damit eng verbundene psychoanalytisch-interaktionelle Therapie (Streeck, Leichsenring)
  • Mentalization-based Treatment (MBT*) zur Behandlung von sogenannten Borderline-Patienten (Fonagy, Bateman; Bolm, Schultz-Venrath)
  • Strukturbezogene Psychotherapie (Rudolf)
  • Control-Mastery-Theorie (Weiss)
  • Traumatherapie (Reddemann)

Ein wichtiger Bezugspunkt für die Fallkonzeptualisierung und Therapieplanung ist das Verfahren der „Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik“ (OPD-2)

Diese „klinische“ psychodynamische Tradition scheut sich nicht, Erfolge „konkurrierender“ Therapieschulen anzuerkennen und Elemente anderer Behandlungsansätze in den tiefenpsychologischen Ansatz zu integrieren bzw. die psychodynamische Therapie als Teil eines stationären Gesamtbehandlungsplans durchzuführen. 

Orientierung bleibt dabei das psychodynamische Verständnis der Funktionsweise und der Struktur der menschlichen Psyche und vor allem der damit einhergehenden intrapsychischen und interpersonellen Konflikte. Bezugspunkt bzw. -rahmen ist die Betrachtung der Gestaltung von Beziehungen der Individuen zu anderen (interaktionelle Betrachtung) und zu sich selbst in ihrer gegenseitigen Bezogenheit (intersubjektive Betrachtung). Zentrale Begriffe sind Ich, Es, Über-Ich und Selbst sowie im Bereich der Therapie und des therapeutischen Prozesses die Begriffe Widerstand und Abwehr, Übertragung und Gegenübertragung.

* Im Deutschen fast durchgängig mit Mentalisierungsbasierter Therapie übersetzt

Verhaltenstherapie (VT)

Die Verhaltenstherapie ist eine Therapieschule, die Ende der 1940er Jahre erstmals in Erscheinung trat und sich seither in stetigem Wandel befindet. Zu Beginn herrschte (annähernd) Konsens darüber, dass die Verhaltenstherapie die klinische Anwendung der Prinzipien der Lerntheorien ist. Doch seit ihrer Gründung zeigt sich die Verhaltenstherapie als heterogene Bewegung. Allen Strömungen gemein ist dabei jedoch der Grundgedanke der empirischen Fundierung. Dieses Merkmal sichert die ständige Erweiterung und Veränderung, erschwert jedoch eine einheitliche Definition der Verhaltenstherapie.

Yates formulierte 1970 seine Definition der Verhaltenstherapie, die bis heute Bestand hat:

 „Verhaltenstherapie ist der Versuch, den gesamten empirischen und theoretischen Wissensbestand, wie er durch den Einsatz experimenteller Methoden in der Psychologie und ihren Nachbardisziplinen (Physiologie und Neurophysiologie) angesammelt werden konnte, in systematischer Weise zu nutzen, um die Entstehung und Beibehaltung abweichender Verhaltensmuster zu erklären, und weiterhin der Versuch, dieses Wissen bei der Behandlung oder Prävention solcher Fehlverhaltensweisen einzusetzen, und zwar mit Hilfe kontrollierter experimenteller Untersuchungen am einzelnen Patienten.“

Die Verhaltenstherapie hat sich seit ihren Ursprüngen in den 1950er Jahren zu einer Grundorientierung entwickelt, der nach Margraf und Schneider (2018, Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Band 1) folgende Prinzipien zu Grunde liegen:

  • VT orientiert sich an der empirischen Psychologie
  • VT ist problemorientiert
  • VT setzt an prädisponierenden, auslösenden und aufrechterhaltenden Problembedingungen an
  • VT ist zielorientiert
  • VT ist handlungsorientiert
  • VT ist nicht auf das therapeutische Setting begrenzt
  • VT ist transparent
  • VT soll Hilfe zur Selbsthilfe sein
  • VT bemüht sich um ständige Weiterentwicklung

Durch ihre ständige Weiterentwicklung gibt es eine Vielzahl von Methoden, die in der Verhaltenstherapie zum Einsatz kommen. Nach Margraf und Schneider lassen sie sich in drei übergreifende Gruppen einteilen:

  • Basisfertigkeiten wie Gesprächsführung, Beziehungsgestaltung und Motivationsarbeit
  • Störungsübergreifende verhaltenstherapeutische Maßnahmen, die in jeden Behandlungsplan individuell eingeordnet werden können, unter anderem Konfrontationsverfahren, Entspannungsverfahren, operante Methoden und kognitive Methoden (wie Selbstinstruktion, Problemlösetraining, Modifikation dysfunktionaler Kognitionen, Reattributionen und Analyse fehlender Logik)
  • Störungsspezifische Therapieprogramme

In der verhaltenstherapeutischen Psychotherapie geht es bei vorliegender Psychotherapieindikation darum, ein geeignetes störungsspezifisches Therapieverfahren auszuwählen und individuell an den Einzelfall der Patientinnen und Patienten anzupassen. Basis hierfür bildet eine kompetente Diagnosestellung mit anschließender Problemanalyse.

Zu den neueren Ansätzen, die sich in den letzten Jahren aus der Verhaltenstherapie entwickelt haben, zählen unter anderem:

  • Dialektisch-behaviorale Therapie
  • Achtsamkeit; Mindfulness-based Cognitive Therapy
  • Metakognitive Therapie
  • Schematherapie
  • Acceptance and Commitment Therapy (ACT)
  • Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP)

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